Liebe und Gemeinschaft

Liebe Leserinnen und Leser,
an diesem Sonntag erzählt uns Jesus im Evangelium das Gleichnis vom Barmherzigen Vater, das auch das Gleichnis vom Verlorenen Sohn genannt wird (Lk 15).
Wer aber ist der Verlorene Sohn? Der jüngere Sohn, der sich sein Erbe auszahlen läßt, in die Welt hinauszieht, ein zügelloses Leben führt und so sein gesamtes Erbe verspielt und in eine große Hungersnot gerät, dann aber zum Vater heimkehrt? Oder aber der ältere Bruder, der beim Vater bleibt, sich aber nicht darüber freuen kann, dass sein jüngerer Bruder so freudig vom Vater bei seiner Rückkehr empfangen und wieder als Sohn aufgenommen wird? Neid und Anspruchsdenken scheinen zu bewirken, dass der ältere Bruder seinen jüngeren Bruder nicht mehr annehmen kann.
Gottes Liebe zu uns Menschen ist so groß, dass er sich über jeden freut, der sich ihm (wieder neu) zuwendet. Die Liebe und die Gemeinschaft, die Gott uns gibt, kann sich aber keiner von uns verdienen, seien wir noch so fromm und gläubig. Sie ist Geschenk des Vaters.
Im Anschluss an das Gleichnis frage ich mich, ob der ältere Bruder aus Pflichtgefühl beim Vater geblieben ist oder aus Liebe zum Vater.
Wie das Gleichnis letztendlich ausgeht, wissen wir nicht. Vielleicht finden beide Brüder, auch aufgrund des Zuredens des Vaters, wieder zusammen.
Ich wünsche uns allen, dass wir, wenn wir Fehler machen, auf Menschen treffen, die uns vergeben können. Umkehren müssen wir aber schon selber.
Ihnen allen einen gesegneten 4. Fastensonntag!
Ihr
Winfried Kissel, Pfr.